Josef H. Reichholf
Rabenschwarze Intelligenz. Was wir von Krähen lernen können
Herbig
Rabenvögel haben ein schlechtes Image, aber völlig zu Unrecht meint Josef H. Reichholf.
Über das Buch:
Schon Stammgast auf der Shortlist zum besten wissenschaftlichen Sachbuch des Jahres ist der Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf. Das hat gute Gründe, zum einen ist er sehr aktiv und publiziert regelmäßig zu unterschiedlichen Themen, zum anderen versteht er es, selbst komplexe Sachverhalte einfach, schlüssig, nachvollziehbar und dabei mit Witz zu präsentieren. Zudem sind seine Ausführungen wissenschaftlich abgesichert. Nach „Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausend“ in dem er einen unorthodoxen Beitrag zum Klimawandel lieferte und „Warum die Menschen sesshaft wurden“, beschäftigt er sich nun mit den Rabenvögeln. Dazu hat er einen sehr persönlichen Bezug. Als Kind hatte er nämlich eine Dohle, die er selbst aufzog. Auch später hielt er selbst noch manche Vögel. Damals begann sein Interesse an Vögeln aller Art und speziell an den oft scheel betrachteten Raben und Krähen. Den Menschen sind sie immer ein wenig unheimlich gewesen, nicht umsonst gibt es Wörter wie Rabenmütter oder Unglücksraben. Raben sind eben keine kuscheligen Tiere und noch dazu ziemlich intelligent. Mit Primaten oder Delfinen können sie locker mithalten und sie zählen eigentlich zu den Singvögeln. Nur 200 Gramm wiegt eine Dohle, ein Kolkrabe hingegen hat eine Flügelspannweite von 1,5 Meter. Das kann schon beeindrucken und schreckt selbst Wölfe ab. Ein Kapitel widmet Reichholf dem Vergleich von Stadt- und Landkrähen und geht dabei auch auf das Thema der Jagd- und Regulierungsbestimmungen ein. Angeblich plündern Raben die Nester kleiner Singvögel und machen sich auch über Niederwild her. Jäger möchten sie deshalb gerne schießen. Reichholf ist ein engagierter Tierschützer und untersucht die Rolle dieser Vögel im Ökosystem. Dabei legt er schlüssig dar, wie einfach sich gängige Vorurteile durch Studien widerlegen lassen. Ausführlich widmet er sich der Intelligenz dieser Vögel und berichtet etwa, dass Krähen im Herbst vor seinem Institut in einer Wiese Walnüsse vergraben hätten, die sie dann im Winter wieder gefunden haben. Er erzählt von Krähen, die Nüsse knacken, indem sie diese auf Straßen fallen lassen oder die Werkzeuge herstellen. Sie erkennen auch Personen wieder, merken sich Widersacher, um sich zu rächen und sie können auch menschliche Wörter lernen und sie einsetzen. Und sie können sogar lügen. Am Schluss widmet er sich der kulturgeschichtlichen Dimension der Rabenvögel zeigt ihre Stellung in der Mythologie und in der Alltagssprache oder im Sprichwort. Teilweise nutzt Reichholf einen sehr persönlichen Ansatz, um ökologische Zusammenhänge und verhaltensbiologische Beobachtungen darzustellen. Und schafft somit ein lehrreiches, doch auch unterhaltsames Buch, das nicht nur Vogelfreunde interessieren dürfte.
AutorIn
Josef H. Reichholf wurde 1945 in Bayern geboren. Er ist Zoologe und Evolutionsbiologe und leitet eine Sektion an der Zoologischen Staatssammlung München. Für seine Forschungen und seine Veröffentlichungen wurde er schon mit einigen Preisen ausgezeichnet, wie dem Sigmund-Freud-Preis.
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