Thomas de Padova
Das Weltgeheimnis. Kepler, Galilei und die Vermessung des Himmels
Piper
„Das Weltgeheimnis“, so übertitelte Johannes Kepler sein erstes Buch. Ihm ist das halbe „Weltgeheimnis“ Thomas de Padovas gewidmet. Etwa die andere Hälfte des Buchs gehört Galileo Galilei. Echtes Geheimnis wird keines gelüftet. Immerhin beleuchtet der Autor eine bislang wenig bekannte Beziehung: Kepler und Galilei standen miteinander in Kontakt.
Über das Buch:
Die beiden Welterklärer des frühen 17. Jahrhunderts pflegen einen unregelmäßigen Briefverkehr. Manchmal kommentiert auch einer die Arbeit des anderen in der erstaunlich gut vernetzten Forschergemeinde. Bezugspunkt beider ist Kopernikus, der es kurz zuvor wagte, die Sonne statt der Erde als Nabel des Universums zu propagieren. Abseits der gemeinsamen Überzeugung von diesem Weltbild leben sie höchst unterschiedlich. Galileo tritt als Praktiker auf, als genialer Ingenieur, als Erfinder des Fernrohrs, das ihm früh schon gesellschaftliche Anerkennung und materielles Auskommen sichert. Kepler erscheint als Wissenschaftler und theoretischer Tüftler. Zwar geht auch er von Beobachtungen aus, als Assistent Tycho von Brahes verfügt er über die besten astronomischen Daten, die bis dahin je gesammelt wurden. Doch seine Gesetze leitet er von mathematischen Modellen her. Während dem Junggesellen Galilei Ruhm und Geld zuzufliegen scheinen, kämpft Kepler zeitlebens um die materielle Versorgung seiner zahlreichen Kinder. Der Briefwechsel zwischen den beiden unterschiedlichen Geistesgrößen bleibt der rote Faden der Doppelbiografie. Gerade dieser Stoff wird aber stellenweise etwas dünn. Trotz allgemein hoher Dichte, ansprechendem Tempo und routiniertem Stil des Wissenschaftsjournalisten de Padova: In die Darstellung der persönlichen Beziehung der beiden Forscher wird mancher Ballast eingewoben, um ihr mehr Gewicht zu verleihen. „In der Geschichte der Naturwissenschaften gibt es Phasen, in denen es zu einem durchgreifenden Umbau von Theorien kommt, die lange Zeit allgemein anerkannt gewesen sind“. Tiefe gewinnt das Buch dort, wo es um die Beziehung der Vorausdenker zu ihrer Zeit geht. Sowohl Kepler als auch Galilei hatten ihre liebe Mühe mit der Kirche. Als revolutionäre Helden verklärt de Padova sie nicht. Er zeigt auch „wie begrenzt die Reichweite ihrer jeweiligen Theorien ist, wie beide an traditionellen Vorstellungen festhalten und an vielen Fragen scheitern.“ Die beiden größten Vorantreiber der kopernikanischen Wende plastisch darzustellen gelingt. Ihr Doppelportrait an der losen persönlichen Beziehung aufzuhängen, darf als mehr oder minder interessantes Experiment gelten.
AutorIn
Thomas de Padova, geboren 1965 in Neuwied am Rhein, studierte Physik und Astronomie in Bonn und Bologna. Er war Wissenschaftsredakteur beim „Tagesspiegel“ und ist seit 2005 freier Wissenschaftspublizist. Er lebt in Berlin.
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